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Ein Lebensgefühl ist aber nur ein gegen- wärtiges Abbild der Zeit (Zeitgeist) in Verbindung mit den Resten einer langen Geschichte dahinter, die im Zeitgeist oft konträre Formen zum ursprünglich Gewesenen annimmt.

Zum Beispiel tragen viele Menschen Kleidungsstücke mit Che Guevara als dekoratives Motiv darauf, ohne zu wissen was sich hinter diesem modischen Dekor - Che als "New Jesus" verbirgt - wer diese Person war und sich die Welt und die Handlungen dieser Personen unter Umständen mit dem gegenwärtigen Leben und Lebensgefühl der TrägerINNEN eigentlich diametral widersprechen.
"Yes we can, Obama baby!"
"White Blues -
Black Country"
"Changed it Che Guevara?"
Der Anfang und das Ende - Schlusswort
Das Skodagassenfest 2009 soll vorrangig den Besuchern Spaß vermitteln. Allein die Tatsache ein Fest auf der Straße bzw. in der Skodagasse zu veranstalten, erzeugt schon für sich ein gewisses Lebensgefühl. Durch die Musik und sonstige kulturelle Aktivitäten wird dieses Gefühl in eine bestimmte Richtung gelenkt und überträgt sich im besten Fall auf die Besucher bzw. umgekehrt durch das Publikum als ein Gesamtgefühl auf das Gassen-Fest.
Da in diesem Jahr das Motto "A New Picture of America" ist, wollen wir vorrangig einmal dem Neuen Bild Amerikas Tribut zollen, welches vor allem mit der Tatsache zu tun hat, dass mit Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika eine neue Ära begonnen hat.

Da Obama der erste farbige Präsident ist und dazu auch noch massiv mit der Politik der Polarisierung von G.W. Bush bricht und mit Visionen in einer Zeit der ärgsten Wirtschaftskrise seit 1929 auf die gesamte Welt positiv wirkt, lässt dieses Motto eines "Neuen Bildes von Amerika" sogar bis in den unbedeutenden Winkel Wiens, die Skodagasse fühlen.
- Vor einer blinden Euphorie bzw. überzogener Erwartungen an die Person Obama als Präsident soll an dieser Stelle hingewiesen werden, da es auch für diesen nicht möglich sein kann, gesellschaftlich über hunderte von Jahren gewachsene Systeme einfach in wenigen Jahren zu ändern. Medien und Politik führen uns täglich vor Augen, dass überall da draußen aber auch in uns selbst eine Wirtschafts-, Werte- und Sinnkrise herrscht, wo eine authentisch wirkende Person wie Obama durch seine visionären Ansagen zumindest ein bisschen Zuversicht versprüht. -

Das Lebensgefühl, welches bei uns mit Amerika untrennbar verbunden ist, wie z.B. der Blues hat mit der in Summe betrachtet nicht gerade ruhmreicherer Zeit der neueren Menschheitsgeschichte zu tun, der Sklaverei in Nord- und Südamerika. - Der Ausbeutung von der Ware Mensch, als Sklaven von Afrika nach Amerika verschleppt, oder die indigene Bevölkerung Südamerikas als Arbeitstiere gehalten und ihrer Identität beraubt und als Menschen bis in die Gegenwart mit Vorurteilen gedemütigt und benachteiligt.
- Zum Beispiel konnten Obamas Eltern 1961 nur in Hawaii Heiraten, weil eine Ehe zwischen schwarzen und weißen in den USA entweder rechtlich oder gesellschaftlich verboten war. -
Nicht zu vergessen, auch wenn in der Geschichte meist nur Männer angeführt werden, ist das Leben und Wirken der Frauen. Sie hatten mindestens 50% Anteil am Erfolg oder Misserfolg der "berühmten Männer", obwohl es in Chroniken und Geschichtsbücher nicht geschrieben steht. Sie schaffen im Hintergrund oft die Basis durch ihr unermüdliches Tun, damit andere, die Männer z.B. "wichtige Kriege" oder "hohe Politik" führen können, viele davon berechtigt und andere, geschichtlich betrachtet, unberechtigt. So manche Frau, wenn man es im Nachhinein betrachtet, hat sich im Hintergrund gehalten aber eigentlich doch die Fäden gezogen. Auf alle Fälle wollen wir mit dem "Quilt" aber auch mit Blues eine Verbindung zur Welt der Frauen, und im Besonderen, der Welt der Frauen Amerikas herstellen.
Der Kult um Che Guevara ließ diesen bei uns eher durch die Popkultur und die 68er-Revolution zu einer Ikone und einer der bekanntesten Personen des 20. Jahrhunderts werden, vor allem zu einem gut verkäuflichen Marketingartikel der nichts an Popularität seit Ches Hinrichtung 1967 eingebüßt hat.

Bei näherer Betrachtung fällt aber auf, dass die meisten Träger dieses Abbildes gar keine Ahnung davon haben, wer diese Person eigentlich war. Ob seine öffentlich bekannten Ideale überhaupt mit dem vorhandenen Verehrungskult und der plakativen Wirkung als Botschafter für "Revolution und Freiheit" übereinstimmen.
Vor allem in Europa gibt es noch immer die verbreitete Ideologie des Widerstandes gegen den Staat an sich als Unterdrücker der "Freiheit" - welche auch immer damit gemeint sein mag - und der Ausbeutung des "einfachen Menschen" durch die Mächtigen des Kapitals, den "neoliberalen Führern", welche dann Ideologien von schon gewesenen Menschen und ihrer Zeit zitieren und Symbole wie Che verwenden, um die ihrer Ansicht nach bessere Welt zu verkünden - wie immer die in gelebter Praxis auch aussehen mag - aber hoffentlich nicht so, wie es einige Systeme und Personen in der Vergangenheit vorgemacht haben.
Wie sehr einerseits die Kenntnis über die Person und das resultierende Verhalten auseinanderklaffen können, machte der Obmann der FPÖ, H.C. Strache vor, als er beim letzten Wahlkampf 2008 anlässlich der Aufstellung einer Che-Skulptur im Donaupark in Wien lt. Medien diesen als "Massenmörder" bezeichnete und dagegen eine "Aktion" ankündigte, aber andererseits T-Shirts von sich im Che Guevara-Look und der Aufschrift "StraChe" bis Dato verkauft.
Bei kritischer Auseinandersetzung mit Che könnte man, soweit es Quellen und auch Zeitzeugen belegen, von einem Mörder nach unserer positivistischen Rechtsauffassung sprechen. Aber da damals in Argentinien, Bolivien, Mexiko, Kuba usw. sicher nicht von einer Wertegesellschaft nach heutiger, vor allem hier in Österreich und Europa herrschender, moderner Rechts- und Werteauffassung gesprochen werden kann, ist es schwierig unter diesen Umständen ein solches Urteil letztgültig zu fällen.
- Dahingehend wäre die USA mit ihrer in vielen Bundesstaaten vorhandenen Praxis der Todesstrafe auch als Institution ein Massenmörder, oder? -

Aber es steht uns nach unserer Rechtsauffassung in Österreich gar nicht zu, ein solches Urteil zu fällen, wenn man nicht Richter/IN ist, sonst würde man Selbstjustiz üben oder eben "Gott sei Dank!" üben, was zwar gesellschaftlich leider viel öfter passiert, als man es wahrhaben möchte.
Doch unserer "Rechtsstaatlichkeit" dank, bleibt es meist bei einer Ächtung im kleinen Rahmen und auf lokale Unwichtigkeit beschränkt, bzw. im größeren Umfang wird es vor allem durch Medien und Politik auf nationaler Ebene Tage, Wochen und Monate lang ausgeschlachtet. Oft ist das dann ein schönes Beispiel für Ablenkung von den wesentlichen Problemen der Zeit, oder es dienen solche "unwichtigen" Themen scheinbar als Deckmantel, um z.B. an 3 Tagen mehr als 70 Gesetze im Parlament durch zu ziehen, was die letzte Regierung bis 2008 tat, welche teilweise gravierende Auswirkung auf das Leben in einem Land hat und noch haben wird.
Da bei solcher "Unpolitik" bzw. parlamentarischer Wut einer voraus ausgemachten Mehrheit mehr keine Möglichkeit besteht eine sinnvolle Rechtsicherheit zu erlangen, sollte es eigentlich einen Aufschrei geben:
"No, we can't!"
- Diese Gesetze werden nicht geübtes Recht, da es keine sinnvolle Spruchpraxis durch Gerichte über einen längeren Zeitraum gibt, weil diese schon wieder geändert wurden bevor Rechtssicherheit möglich wäre und daher führen diese kurzfristigen - "Wir müssen schnell Gesetze verabschieden Politik" - nur zu mehr Rechtsunsicherheit bzw. zu einem rechtsfreien Raum, welche mehr den Menschen bzw. Institutionen von Vorteil sind, die über mehr Energie, also Geld verfügen.
- Oder es führt diese Form von "unbewusster Selbstjustiz" zu einer Wertegesellschaft, welche einem - meiner Meinung nach - fragwürdigen Politiker ein Denkmal setzt, wenn er mit seinem Auto früh morgens mit ca. 140km/h, egal ob mit oder ohne Alkohol, in einem Ortsgebiet allgemein gefährdend einen unfreiwilligen Selbsttod verursacht.
Dahingehend ist die bisher authentisch wirkende Person, Barack Obama, ein neues Lebenszeichen - hoffentlich für nächste Generationen einer ehrlicheren Welt!
(Herbert Hütter, 09.05.2009)
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